Der Fokus. Ein simpler Zeitgenosse, der sich über ein kleines Knöpfchen am Kameragehäuse (Body) und/oder am Objektiv anwählen lässt. Er stellt scharf, was ins rechte Licht gehört und macht das meistens auch ganz automatisch. Autofokus (AF) nennt sich das. Tolle Sache! Kann allerdings auch lästig sein, wenn sich die Kamera nicht entscheiden kann. Das Zoom-Objektive dreht sich fröhlich im Kreis und versucht irgendeinen Anhaltspunkt für die scharfe Abbildung zu finden. Blöd. Blöd auch, wenn sie etwas findet, was du eigentlich gar nicht schärfen möchtest. Den Vogelschiss hinterm Mauerblümchen zum Beispiel. Ganz so einfach ist es dann also wohl doch nicht. Und genau darum soll es heute gehen. Wie kriege ich die Kamera dazu, das zu schärfen, was ich will?

 

Fokus

Fokusfeld „Breit“

Fokusfeld

Erste Frage: Woher weiß die Kamera im Autofokus eigentlich, was sie scharfstellen soll? Das könnte ja im Prinzip alles sein. Diese Information bekommt die Kamera über das Fokusfeld. Das Fokusfeld lässt sich im Menü einstellen und legt fest, was die Kamera im Bild schärft, wenn ihr nichts anderes mitgeteilt wird. Es ist daher wichtig, diese Einstellung bewusst und situationsabhängig vorzunehmen. Welche Möglichkeiten gibt es?

  1. Fokusfeld Breit: Die Kamera stellt das Objekt scharf, dass sich über alle Messzonen des Bildes erstreckt. Du erhältst ein ganzheitlich scharfes Bild und kannst dieses Fokusfeld daher gut bei Panoramen oder Aufnahmen ohne konkretes Motiv verwenden. Gut natürlich auch bei Omas Gesicht in der Portraitaufnahme, die du ja auch ganzheitlich klar sehen willst.
  2. Fokusfeld Mitte: Das Objekt in der Mitte des Bildes wird geschärft. Ganz einfach, wenn du mittenbetonte, frontale Bilder machen willst, z.B. den Apfel im Grünen.
  3. Fokusfeld Feld: Hier wird ein frei wählbarer Bereich im Bild gewählt, der flächig geschärft wird. Zum Beispiel die Vase links unten auf dem kunterbunten Flohmarkttisch.
  4. Fokusfeld (Flexible) Spot: Der flexible Spot definiert punktgenau, wo die Schärfe deines Bildes liegen soll. Er ist in der Regel frei beweglich und lässt sich überall im Sucherbild positionieren. Schön, wenn man etwas am Bildrand oder ein winziges Detail freistellen will. Das Facettenauge der Libelle wirkt eben nur, wenn es nicht in der Mitte eines vollständig scharfen Bildes liegt.

Damit sollte der Benutzung des Autofokus eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Merke: Das Fokusfeld definiert Lage und Größe des Schärfepunktes beim Autofokus!

 

 

Nachführ-Autofokus

Nun kann es aber sein, dass die Antilope recht zügig vorbei trabt und der Fokus völlig versagt. Krampfhaft versuchst du, den Auslöser zu drücken, doch die Kamera orgelt unentschlossen vor sich hin. Sie kann das Objekt nicht finden, festhalten und den Startschuss zum Auslösen geben. Was nun? Hier eignet sich ein Nachführ-Autofokus (bei Sony: AF-C), den einige Spiegelreflex-Kameras anbieten. Dieser speziell für bewegte Motive entwickelte Autofokus stellt sich bei halb heruntergedrücktem Auslöser permanent neu ein und folgt damit quasi der Bewegung der Antilope. An diesem Punkt unterscheiden sich aber die Kameramodelle zu sehr, um hier weiter ins Detail zu gehen. Oft werden vom Hersteller viele tolle fancy Feinjustierungen angeboten: AF-Speed, die AF-Verfolgungsdauer, AF-Hilfslicht, AF-Verriegelung. Man lese nun am besten die eigene Bedienungsanleitung oder probiere herum. Merke: Der Nachführ-AF hilft bei bewegten Motiven aus der Klemme!

 

 

Manueller Fokus, Kantenabhebung und Dioptrien

Der Autofokus ist, wenn gut gewählt, in den meisten Situationen völlig ausreichend und erleichtert vor allem die Reisefotographie ungemein. Nun möchtest du ja aber vielleicht auch ein bisschen kreativ herumspielen. Manchmal möchtest du den Schärfepunkt vielleicht erst über das Bild gleiten und dich inspirieren lassen, bevor etwas endgültig in den Fokus gerückt wird. Dann empfiehlt sich die Wahl eines manuellen Fokus (MF) über das Fokus-Knöpfchen. Plötzlich lässt die Kamera völlig locker und liegt stumm und drehfähig erwartungsfroh in deiner Hand. Kein Gesurre und Gepiepe, dafür eine nicht-blockierte Kameralinse. Im manuellen Fokus kannst du die Linse hinten (für den Zoom) und vorne (für die Schärfe) völlig frei drehen. Das geht während der AF-Einstellung nicht oder nur recht schwer. Erst, wenn du das Fokus-Knöpfchen auf MF stellst, wird die Blockierung aufgehoben.

Die Kamera wartet nun also auf ihren Einsatz und du visierst das Objekt der Begierde im Sucher an. Hast du den gewünschten Schärfepunkt gefunden, drückst du ab, ohne auf das Okay der Kamera warten zu müssen. Doch hoppla! Manchmal ist das Bild unschärfer als gedacht. Bei vielen Kameras gibt es im Menü daher inzwischen Kantenabhebungsstufen, die scharfe Umrisse farblich markieren. Großartig! Wenn du das Gefühl hast, dein Schärfeempfinden deckt sich immer noch nicht mit dem Bildresultat, lohnt auch mal ein Blick auf die Dioptrien-Einstellung im Sucher. Neben jedem Sucher gibt es häufig ein kleines Rädchen mit dem sich die Dioptrien, also die Sehkraft deiner Augen einstellen lässt. Auch Nicht-Brillenträger haben ja manchmal ein etwas unscharfes Auge und können diese Differenz hier angleichen. Einfach durch den Sucher schauen und solange am Dioptrien-Rädchen drehen bis die Kameraanzeigen im Sucher deutlich lesbar sind.

Merke: Im manuellen Fokus stellst du die Schärfe über Drehung des Objektivs selbst ein. Hilfe bekommst du dabei über Kantenabhebungsstufen, sofern deine Kamera diese Funktion besitzt. Hast du einen Knick in der Pupille, überprüfe vorher auf jeden Fall die Dioptrien im Sucher!

 

Neugierig, mit was wir fotographieren? Dann schau doch mal in unserer Equipment-Liste nach oder hol‘ dir Anregungen in unseren TOP5 der Tools für Reisefotographen.