Bienvenidos a Bolivia! Auf zu Flamingos und Baumtomatensaft, zum größten Salzsee der Erde und in den zirpenden und quakenden bolivianschenRegenwald! Moment…Noch keinen Plan, wo es in Bolivien eigentlich hingehen soll? Dann haben wir ein paar Tipps für euch. Wir bleiben erstmal urban, bodenständig, zivilisiert und stellen euch unsere persönlichen Tipps für die Stadtseiten Boliviens vor. Vom Unesco-Weltkulturerbe bis zum bunten Aussteigerdorf alles dabei.

HotSpots Bolivien: Santa Cruz

Los geht’s in Santa Cruz, der wohl größten und modernsten Stadt von Bolivien. Ausgestattet mit einem internationalen Flughafen ist Santa Cruz für viele Bolivien-Reisende das Tor in die neue Welt und gleichzeitig repräsentativ für die kommende Reise. Das Stadtbild ein Kontrastprogramm, das sich im Laufe der Reise durch Bolivien fortsetzen wird. Universität und Ackerbau, reiche Handelsviertel neben Straßenhändlern und traditionellen Wochenmärkten. Gerade angekommen lohnt sich erst einmal ein Besuch des Plaza 24 de Septiembre im Zentrum der Stadt, dessen Kathedrale sich auf dem allerersten Urlaubsfoto besonders gut macht. Von hier zweigen ganz im Baustil der Lateinamerikanischen Stadt zahlreiche Straßen und Gässchen ab, in denen sich gefüllte Teigtaschen (Empanadas), Kunsthandwerke oder Gebrauchsgüter erwerben lassen. Für alle Neulinge ist allein das ein Ausflug wert! Denn in Südamerika wächst die Stadt mit den Menschen, die in ihr leben. Und so trennt sich arm von reich, traditionell von touristisch und Branche von Branche. Die Unterschiede der Viertel sind deutlich zu sehen und es gibt nicht selten ganze Straßenzüge für ein einzelnes Gewebe. Eine Straße für Autoreifen, eine Straße für Teppiche und eine Straße voller Kuchen, zuckrig und bunt. Für die Abendgestaltung eignet sich vor allem der Parque El Arenal mit seinen Kinos, Restaurants und Diskotheken gut. Lasst euch treiben und beeindrucken vom lauten, erfinderischen Geist Boliviens! Und spült es euch schließlich doch vor die Mauern der Stadt, dann winkt euch ein Taxi heran und lasst euch das ackerbauliche Umland zeigen. Im fruchtbaren Tiefland gelegen, ist Santa Cruz vor allem ein Wirtschaftsknotenpunkt in dessen tropisch gemäßigtem Klima Kaffee, Tabak und Zuckerrohr prächtig gedeihen. Außerdem wartet ein Naturschauspiel inmitten der grün bewaldeten Ebene: Lomas de Arena, ein Landschaftsschutzgebiet in dessen grün bewaldeter Mitte riesige Wanderdünen zum Sahara-Feldzug einladen. Flugsand ausreichend vorhanden, nur das Kamel fehlt noch zum Glück.

 

HotSpots Bolivien: Samaipata

Von Santa Cruz nur einen Katzensprung (ca. 3 Autostunden) entfernt liegt Samaipata, eine kleine Aussteigersiedlung inmitten des tropischen Bergregenwaldes von Bolivien. Kleine bunte Holzfassaden reihen sich an den staubigen Sträßchen aneinander, verstecken duftende Orangenbäume und üppige Obstplantagen. Drumherum: Das saftige Grün des zum Teil unter Schutz gestalten lebendigen Bergregenwaldes. An dieses idyllische Fleckchen Erde haben sich im Laufe der Zeit so einige internationale Nasen „verirrt“, um die lang erträumte Existenzgründung entspannt in die Tat umzusetzen. Samaipatas BewohnerInnen leben vor allem vom Kunsthandwerk und das machen sie ausgesprochen gut! Malerisch gestaltet, offen und farbenprächtig ist Samaipata also schon allein einen Besuch wert. In der unmittelbaren Umgebung liegt das UNESCO-Weltkulturerbe El Fuerte, das Überbleibsel einer prekolumbianischen und später von den Inka genutzten Wirkungsstätte. Fanden wir ganz nett, aber im Vergleich mit anderen Inka-Siedlungen eher weniger spektakulär. Unsere Empfehlung für einen Tagesausflug geht ganz klar an den an Samaipata angrenzenden Amboro-Nationalpark. Eine gigantische Landschaft aus Meterhohen Baumfarnen, grünen Hügelketten und steilen Tälern inmitten eindrucksvoller Sandsteinformationen verschlägt die Sprache und jedes menschliche Kulturgut in den Wind. Hier piepen und kreuchen hunderter seltener Vogel- und Wirbeltierarten, Brillenbären, Jaguare und Affen. Aber aufgepasst: Baumfarne brauchen humide Bedingungen und entsprechend ist es meistens nass. Dichter Nebel kann die Aussicht trüben, doch dann hilft ein aufmunterndes, erfrischendes Bad unter dem nächsten Wasserfall.

 

HotSpots Bolivien: Ruta del Che – Vallegrande & La Higuera

Che Guevara, Dekorationsgegenstand der Freiheitsbewegung eurer wilden Jugendjahre! Ob T-Shirt, Aufnäher oder Ansteckbutton – allem verlieh sein Antlitz den Hauch der Rebellion. Aber warum eigentlich? Für alle „Fans“ oder heimlich Uninformierten lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Vallegrande und La Higuera. Liegen ohnehin auf dem Weg in die große, weiße Stadt Sucre und sind Bestandteil der historischen Ruta del Che in Bolivien. Hier hat sich Revolutionär und Guerillakämpfer Ernesto „Che“ Guevara mit seinen Mannen im Busch verschanzt und nach der Festnahme am 9. Oktober 1967 im Schulgebäude von La Higuera sein Leben gelassen. Erschossen und anschließend verscharrt auf dem Flugplatz Vallegrandes. Nach der Bergung seines Leichnams wurde zu seinem Gedenken die Ruta del Che errichtet, die informativ und mit allerlei Anschauungsmaterial den letzten Weg Che Guevaras in Bolivien rekonstruiert. Schaut doch auf dem Weg nach Sucre mal vorbei und unterstützt damit die kleinen bolivianischen Gemeinden, die von der Bewirtung vorbeischauender Touristen leben.

 

HotSpots Bolivien: Sucre

Schon wieder so ein UNESCO-Weltkulturerbe und schon wieder ein historisches Denkmal für die Kolonialzeit in Bolivien. Die Altstadt der Hauptstadt Boliviens strahlt in der hellen Mittagssonne mit seinen weißen, kunstvollen Gebäuden hell und lädt zum Bummeln ein. Hier tummelt sich allerhand Studentenvolk in den zahlreichen Restaurants und den hübsch gepflegten Straßen der Altstadt. Schön ist das Kloster La Recoleta mit seinem benachbarten Markt. Gemütlich in der Mittagssonne einen Kaffee mit Ausblick auf die Stadt? Dann vom Hauptplatz südlich den Berg hoch Richtung Kirche San Roque – dort findet sich ein schönes kleines Café. Möchtet ihr aber so richtig traditionelle, kunterbunte bolivianische Handwerkskunst erwerben, dann lohnt sich ein Abstecher auf den Sonntagsmarkt Tarabuco. Bunt & toll & eine Farbenpracht für’s Hochglanzbild! Doch zeigt Respekt und fragt vorher um Erlaubnis! Denn die Quechua fürchten die Fotographie und möchten nicht für alle Ewigkeit auf einem Bild gefangen sein.

 

HotSpots Bolivien: Potosí

Weiter geht es nach Potosí und damit endgültig auf die wirklich hohe Hochebene des trockenen Altiplano Boliviens. Das Altiplano bezeichnet eine kontinentale Sedimentdecke zwischen den Ost- und Westkordilleren der Anden, die sich vom Titicacasee im Norden bis zu 1.000 km Richtung Süden erstreckt. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch vulkanische Aktivität, Salzseen und Lagunen sowie ein arides, karges Landschaftsbild. Ackerbau ist hier nur begrenzt möglich, sodass sich die Einheimischen andere Wirtschaftswege suchen mussten. Der Fund von Zinn, Kupfer und Silber im 17. Jahrhundert am Fuß des Cerro Rico, des reichen Berges führte zur Gründung der Silberstadt Potosí, die auch heute noch vom Bergbau abhängig ist. Potosí ist auf ca. 4.000 m ü NN gelegen erst einmal eine Herausforderung für alle Angereisten, die sich an den großen Höhenunterschied zum Tiefland gewöhnen müssen. Ihr werdet erstmal bei jeder Treppenstufe schnaufen wie die Walrösser und auch sonst recht duselig unterwegs sein. Das Klima ist außerdem sehr trocken (Creme einpacken!!) und schwankt täglich zwischen warm-heißen Nachmittagen und Nächten nahe des Gefrierpunktes. Also macht langsam und gönnt euch Ruhe, bevor ihr dem Cerro Rico auf die Pelle rückt. Denn das würden wir euch dringend empfehlen! Potosí ist stellvertretend für die Zerrüttung einstigen wirtschaftlichen Erfolgs durch Ausbeutung und Leid in Bolivien. Die Minenarbeiter, die zu einem hohen Anteil der Volksgruppe der Quechua angehören, opfern sich noch heute unmenschlichen Arbeitsbedingungen und einer entsprechenden Lebenserwartung von nicht mehr als ca. 50 Jahren. Das Sicherheitsniveau in den zum Teil recht provisorisch stabilisierten Stollen ist gefährlich niedrig, sodass viele, zum Teil jugendliche Arbeiter ohne Schutzkleidung und Gasmasken auskommen müssen. Steinschlag, Explosionen oder Staublunge gehören hier zum Berufsrisiko. Kinderarbeit, in Bolivien offiziell verboten, gehört hier leider auch ins Bild.

So geschmacklos das auch klingen mag: Für Touristen werden geführte ein- bis mehrstündige Touren durch die sichereren Stollen angeboten, die ihr euch einmal anschauen solltet. Zum Einen unterstützt ihr damit die Minenarbeiter und wechselt vielleicht von der Rolle des naiven Touristen zu einem engagierten Hilfsbereiten bei zukünftigen Förderprojekten für Bolivien. Für die Stollenführung erwerbt ihr in der Regel erst einmal auf dem Mercado de los Mineros Coca-Blätter, Getränke, 95%igen Alkohol oder Dynamitstangen, die den Minenarbeitern als Geschenk mitgebracht werden. Die Coca-Blätter helfen als gekauter Ball in der Backentasche, die Arbeit in Hitze und Dunkelheit zu überstehen. Alkohol, Coca und Dynamit dienen als besänftigende Opfergaben für El Tio, den Gott oder Teufel der Unterwelt, der am Höhleneingang das Leben der Arbeiter in seinen Händen hält. Tatsächlich werdet ihr, wie wir auch, etwas hilflos den völlig erschöpften Menschen gegenüber stehen und nicht viel mehr tun können als einmal ordentlich über die wirtschaftliche Verteilung auf dieser Welt nachzudenken. Außerdem sei gesagt: In den Stollen ist es eng, dunkel und laut, da Explosionen auch in unmittelbarer Nähe zu den Touristen durchgeführt werden. Auf die Sicherheit der Touristen wird geachtet, doch wer sich in Enge und Dunkelheit unwohl fühlt, sollte sich diesen Weg sparen. Für Vorsichtige sei daher eher der Besuch des Casa de la Moneda, des königlichen Schatzhauses mit Museum angeraten, um mehr über die Geschichte des Silbers zu erfahren.

 

HotSpots Bolivien: La Paz & El Alto

Nach diesem humanitären Augenöffner geht es weiter nach La Paz, dem höchst gelegenen Regierungssitz und internationalen Flughafen der Welt. La Paz liegt geschützt und mild klimatisiert in einem Talkessel des bolivianischen Altiplano, was den Landeanflug in den letzten Jahren zu einer wahren Herausforderung machte. Doch keine Panik: Der Flughafen wurde verlegt, um potentielle Gefahrenquellen endgültig zu eliminieren. Einmal angekommen nächtigt es sich im HI-Onkel.Inn 1886 ganz vorzüglich. Im Stadtkern La Paz würden wir dringend den Besuch der riesigen offenen Märkte und Markthallen, vor allem des traditionellen „Hexenmarktes“ empfehlen. Die Bolivianer finden hier allerhand rituelles Zeug, wie Lama-Föten, Schlangenfleisch und Coca-Produkte. Die Verwendung dieser Produkte ist nach wie vor in Bolivien sehr verbreitet und nicht Gegenstand einer kleinen Volksgruppe. Westlich von La Paz und wesentlich höher an den Talflanken gelegen, entwickelte sich über die Jahre eine weitere Stadt, die La Paz inzwischen an Größe deutlich übersteigt: El Alto.

Während sich im gemäßigten, angenehm gelegenen La Paz die reichere Bevölkerung niederließ, repräsentiert El Alto das Stadtbild der Armen und bietet weitaus weniger Komfort. Ungeschützt, wesentlich kälter und auch infrastrukturell recht rückständig zur kleinen, behüteten Schwester. Von El Alto aus habt ihr einen atemberaubenden Blick auf La Paz und könnt auch gut ein paar Tagesausflüge einschieben. So zum Beispiel zum Titicaca-See, zur dieses Mal wirklich beeindruckenden Inka-Stätte Tiahuanaco, zum Valle de la Luna, einer vulkanisch geprägten Mondlandschaft und zum Chacaltaya. Unser Lieblingsstück, denn: Der Chacaltaya-Gletscher ist auf 5.421 m Höhe gelegen leider nicht mehr existent und Zeichen des fortschreitenden ökologischen Wandels Boliviens. Statt der ehemaligen Skipiste begrüßen euch kupferfarbene Geröllhalden, der Blick über skurrile, menschenfeindliche Ebenen und das Gefühl, einmal einen 5.000er bestiegen zu haben. Auch wenn es von der dortigen Klimastation mit Parkplatz nur etwa 30min bis zum „Gipfel“ sind: Geht langsam, esst und trinkt nur in kleinen Portionen, denn Lunge und Organe wollen nicht so. Aufgrund leichter Kopfschmerzen haben wir den Fehler gemacht und aus Angst zur Blutverdünnung einen Dreiviertelliter Wasser getrunken. Die Übelkeit der folgenden zwei Tage war recht unfein.

 

HotSpots Bolivien: Karneval in Oruro

Karneval in Bolivien, das muss man gesehen haben. Fällt Eure Reisezeit also zufällig in den Februar, nehmt das Spektakel auf jeden Fall mit. Wir fanden über Couchsurfing einen ambitionierten Organisator, der Jahr für Jahr etwa 30 CouchsurferInnen aus aller Welt in einer extra angemieteten Wohnung zusammenbringt. Der Haken? Keiner! Gegen eine kleine „Miete“ hausen wir somit drei Tage mit Deutschen, Argentiniern, Spaniern und Belgiern in einer leeren Wohnung und genießen den bolivianschen Karneval. Auch die Platzkarten für die Tribünen hat der Gastgeber im Vorfeld organisiert, weswegen wir uns ganz entspannt die atemberaubenden Umzüge ansehen konnten. Entspannt? Naja, wären da nicht Schaumschlacht, Wasserbombardement, Vollrausch und Feuerwerk. Wenn man ein bisschen auf seine Wertsachen aufpasst, kann man hier drei Tage ziemlich ausrasten – warum auch nicht, es kennt einen sowieso niemand.

Zeit, die feste Behausung hinter euch zu lassen? Dann haben wir jetzt die Outdoor-HotSpots Boliviens für euch! Und für die bolivianische Packliste geht es hier lang!