Es ist Zeit Euch mitzunehmen zu unseren natürlichen HotSpots Bolivien: Über die Mauern der Stadt, hinaus zu den beeindruckendsten Naturschauplätzen! Wir ziehen über das trockene, verlassene Altiplano über die salzige Endlosigkeit des Salar de Uyuni. Einmal die Seele baumeln lassen am Lago Titicaca und dann wandern wir ins tropische Tiefland des beginnenden Amazonas mit seinen Regenwäldern und gut gelaunten Gesellschaften. Ein bisschen Kultur gibt es immer dazu, denn das ist im spirituell tief verwurzelten Bolivien untrennbar mit der Natur verbunden.

Bolivien: Salar de Uyuni 

Unser erster bolivianischer HotSpot ist natürlich der Salar de Uyuni auf dem Altiplano: Der größte Salzsee der Erde auf 3.653 m ü NN, der eigentlich gar keiner ist. Es handelt sich vielmehr um das Überbleibsel eines ausgetrockneten urzeitlichen Sees, der die riesige Salzpfanne hinterließ. Im Örtchen Uyuni können die Geländewagen gesattelt werden und dann geht es mit einem Guide oder auch solo los. Wir buchten eine dreitägige Tour, die uns bis an die Grenze zu Chile bringen sollte. Bei unserem Anbieter Tunupa Tours zahlten wir dafür 1500 Bolivianos für zwei Personen All Inclusive, knapp 200 Euro also. Erster Halt: Der Eisenbahnfriedhof Uyunis, der von den besseren Zeiten des Minenbooms erzählt. Rostige, löchrige Eisenbahnwaggons versinken langsam im Staub der gleichfarbigen, steinigen Ebene. Astreine Fotomotive und viel Platz für Leibesertüchtigung auf diesem Spielplatz für Erwachsene!

 

Aber dann tritt der Guide endlich auf das Gaspedal und fliegt in die endlose weiße Wüste, in der man bald keinerlei Fixpunkt mehr am Horizont erkennen kann. Von Juni bis Dezember ist der Salar trocken und von einer dicken festen Eiskruste bedeckt, die sogar schwere Busse und LKWs tragen kann. Aber Vorsicht! Es gibt immer noch brüchige, schlammige Stellen, die auch geübte Fahrer in die Falle locken kann! Auch unser Bus musste in einer mehrstündigen Hauruckaktion aus dem Urzeitschlamm gezogen werden. Ein Guide ist also keine ganz schlechte Idee. Während der bolivianischen Regenzeit ist der Salar von einer dünnen Schicht Wasser bedeckt, was den klassischen „Spiegeleffekt“ hervorruft. Wenn es zu viel regnet, kann man den Salar nicht besuchen – wobei die Guides wohl immer einen Weg finden, ihre Touristen an den Ort des Wunsches zu bringen. Ökologisch ist hier zwar nicht viel los, aber wirtschaftlich beherbergt der Salar de Uyuni nicht nur abbaubares Salz, sondern auch eines der größten Lithiumvorkommen der Erde. Große Polyeder-Muster durchziehen die gleißend weiße Oberfläche unter einem strahlend blauen Himmel. Irgendwann langweilig? Papperlapapp! Das Fehlen irgendwelcher Erhebungen oder Unebenheiten ermöglicht diese wunderbar touristischen Fotographien der Sinnestäuschungen. Kleiner Mann auf der Schulter der großen Frau, der Sprung in die Keksdose oder eine Armee Liliputaner auf der Bierflasche.

Und dann gibt es da ja noch die Insel Incahuasi (Haus des Inka), die unzählige meterhohe, uralte Säulenkakteen beheimatet. Genächtigt werden muss aber nicht am stacheligen Stamm, sondern unbedingt in einem der kleinen Salzhotels. Ob Stuhl, Bett oder Tisch: Alles aus Salz! Nachts wird es zwar durch die Rückstrahlung schweinekalt im Salar, aber für heiße Getränke, gutes Essen und superwarme Schlafsäcke ist hier gesorgt. Und der Blick auf den Sternenhimmel ist fantastisch! Nirgendwo sonst haben wir soviele Sterne über uns dahinziehen, soviele Sternenschnuppen in einer Nacht fallen sehen! Das Sternenlicht unter unseren Sehenswürdigkeiten in Bolivien!

 

Bolivien: Von Lagunen und Vulkanen

Richtung Süden bleibt die Landschaft karg, aber anders: In rot und braun ziehen bald von goldenem Ichu-Gras bedeckte Vulkanlandschaften vor dem Fenster dahin. Mietet euch ein Auto mit Guide und fahrt die Lagunen zwischen den Vulkanketten des Altiplanos an. Die salzigen Oberflächengewässer schimmern je nach Mineralgehalt in den buntesten Farben und ernähren große Kolonien des Anden- und Jamesflamingos. Ein Guide fährt mit euch in der Regel in den frühesten Morgenstunden los und verpflegt euch mit Pfannkuchen, Tee und Broten mit dem Blick auf schneebedeckte Gipfel und noch schlaftrunkene Flamingos unter dem blauen Himmel. Von der Laguna Cañapa geht es über die Laguna Hedionda zur kupferroten Laguna Colorado und zur Sol de la Mañana. Am Ende der Tour wartet, bereits im Nationalpark Eduardo Avaroa National Reserve of Andean Fauna gelegen die türkisgrüne Laguna Verde! Die Lagunen selbst, aber auch die Fahrt durch die urzeitliche, karge Vulkanlandschaft mit dem einen oder anderen Rauchwölkchen am Horizont zählt defintiv zu unseren absoluten HotSpots in Bolivien! Bisher ungeschlagen an Freudentränchen!

 

Bolivien: Lago Titicaca

Unser nächster HotSpot ist Südamerikas größter Binnensee: Der Lago Titicaca. Im Westen auf peruanischem und im Osten auf bolivianischem Boden gelegen, lohnt sich ein Besuch besonders, wenn man ohnehin gerade die Grenzen wechseln will. Die Landschaft rund um den Titicaca ist eher landwirtschaftlich geprägt, eignet sich der fruchtbare Boden doch besonders für den Anbau von Kartoffeln, Gerste, Mais und Quinoa. Die Bolivianer werden daher hier sehr oft emsig auf dem Feld oder beim Fischfang anzutreffen sein. Auch mal ein schönes Bild, das man sich von Bolivien machen sollte. Ein besonderer Volksstamm, die Urus, leben nicht nur vom, sondern auch auf dem See. Aus dem Totora-Schilf bauen sie schwimmende Inseln, die sogenannten Islas Flotantes, und verbringen ihr komplettes Leben darauf. Etwa alle 30 Tage muss die obere Schicht dafür erneuert werden, weil der „Fußboden“ von unten wegfault und somit dünner wird. Die Verarbeitung des Schilfs und das Leben der Urus könnt ihr euch auch als touristische Besucher anschauen. Die Einheimischen leben von diesen zusätzlichen Einnahmen und verteilen die Besuchstage gerecht untereinander auf. Ansonsten könnt ihr auch mal ein bisschen in die Inka-Kultur eintauchen und Copacabana als Euren nächsten Stop einplanen: Viele argentinische und chilenische Backpacker treffen sich hier und ein Besuch des Hügels über der Stadt lohnt sich: dort wird Bier verschüttert, Knaller werden angezündet und kleine Symbole gekauft (ein Haus, ein Auto, Spielgeld). Das soll Glück bringen und materiellen Wohlstand – außerdem ist der Blick auf die Bucht atemberaubend. Von Copacabana kann man dann  mit einem kleinen Ausflugsbötchen zur Isla del Sol (Sonneninsel) oder zur Isla de la Luna (Mondinsel) schippern. Hier gibt es nicht nur schöne sandige Buchten mit einem traumhaften Blick auf das azurblaue Wasser, sondern auch alte Inkabauten, durch die man mit den Schafen und Lamas spazieren kann. Wir haben insgesamt drei Tage auf der Isla del Sol verbracht und die Ruhe vor La Paz sehr genossen. Mit einer Inselumrundung ist man einen Tag sehr gut beschäftigt, die anderen kann man auch zur Akklimatisation nutzen.

 

Bolivien: Choro-Trek

Habt ihr vom braunen Altiplano genug, dann könnt ihr nun den Weg zu Fuß ins Tiefland von Bolivien antreten. Der Choro-Trek führt über ehemals angelegte alte Inkapfade vom hochgelegenen La Cumbre bis hinunter ins tropische Tiefland bis Chairo. Die Tour kann geführt oder auch super solo in 3-4 Tagen gemacht werden. Touren werden in der Regel in La Paz gebucht und von dort gibt es auch Transporte bis La Cumbre für etwa 1€. Die Busse starten im Stadtteil Villa Fatima eigentlich Richtung Yungas, lassen euch aber auf Nachfrage bei La Cumbre raus. Die Wege von dort sind gut befestigt und ähneln einem etwas ausladenden Kopfsteinpflaster, über das früher Früchte und Coca transportiert wurden. Der Beginn des Treks liegt im kargen, kalten Hochgebirge, sodass warme Kleidung und guter Sonnenschutz unerlässlich sind! Über Serpentinen wandert ihr dann in ein skandinavisch anmutendes Tal zwischen braun begrasten Bergflanken und grasenden Schafen. Ab und zu werdet ihr auf alte Ruinen treffen oder kleine infrastrukturelle Einrichtungen, wie einer Toilette, einem Kiosk oder einem Zeltplatz. Ach ja: Verpflegung, Zelt und co. können im Prinzip während des Treks gemietet/gekauft werden. Das ist allerdings sehr teuer! Deckt euch also vorher in La Paz ein und bringt euer eigenes Zelt mit, wenn ihr Geld sparen wollt. Überdachte Übernachtung gibt es keine. Wir haben in Challapampa an einer Hängebrücke genächtigt und mit der Familie am Lagerfeuer gespeist.

Die baumlose Ebene liegt nun hinter euch und jetzt geht es im dunstigen Klima des bolivianischen Bergregenwaldes stetig bergauf und bergab in Richtung Buena Vista, einem kleinen Ort mit allerhand Obstanbau und der Aussicht auf eine warme Mahlzeit. Mann kann hier übrigens ganz wunderbar unter den Palmwedeln nächtigen, von hoch oben den Sonnenaufgang im Tal betrachten und den kauenden Mulis neben dem Zelt zuhören. Manchmal steht auch ein Freches beim Pinkeln im Busch neben euch und schaut zu. Habt ihr Sandillani passiert, wird die Landschaft trocken und heiß und der Weg führt in einer unglaublich steppenartigen Hitze hinab ins Tal nach Chairo. Uns hing damals die Zunge aus dem Hals während die Taranteln über den Weg flitzten. Achtet also auf ausreichend Wasservorräte! In Chairo könnt ihr einkaufen, übernachten oder direkt weiterfahren in Richtung der bolivianischen Yungas über eine Straße, die der Todesstraße an Steilheit und Wagemut in nichts nach steht. Am besten Augen zu und ein Gebet zum Himmel, dass der Fahrer weiß, was er da tut!

Wollt ihr wissen, wie wir uns auf dem Trek geschlagen haben, dann gibt’s es hier unseren Reisebericht Bolivien!

 

Bolivien: Nationalpark Madidi

Unser letzter HotSpot Boliviens und neben den Lagunen ein unglaubliches Erlebnis ist der Besuch des Madidi-Nationalparks! Viele Busse und auch Inlandsflüge bringen euch zur „Basisstation“ Rurrenabaque, einem bunten, emsigen Örtchen mit Straßenverkäufern, schönen jungen Menschen und einer Menge Köstlichkeiten zum Essen! In absolut exotischem Flair schmecken Rührei, Baumtomatensaft und das Bananenbrot von der Straße besonders gut! Das tropische Klima sorgt immer für angenehm warme bis schwül-heiße Temperaturen und eine ordentliche Portion Luftfeuchtigkeit. In Rurrenabaque gibt es eine kleine Infozentrale des Nationalparks über die man sich für drei Tage und umgerechnet 150€ Vollverpflegung eine Tour in den Nationalpark leisten kann und sollte. Da ist quasi alles drin und es unterstützt den Erhalt und Schutz des Nationalparks dank Öko-Tourismus. Los geht es mit kleinen Langbooten einen der Nebenflüsse des Amazonas hinauf in den Regenwald. Ein erster Blick aufs badende Wasserschwein oder große Wasservögel machen dabei Bock auf Mehr! Die Guides steuern euch mit Motor und Lenkstangen sicher durch die Stromschnellen bis zu eurem Camp, das versteckt mit kleinen Stelzenhütten im Busch liegt.

Die Hütten sind recht einfach aus Holz mit Fliegennetzen gebaut und mit kleinen Betten ausgestattet. Hier wartet nicht viel an Inventar außer einer großen Menge an Getier. Die Ameisenstraße auf der Klobrille, die Stabheuschrecke am Wasserhahn und die handtellergroße Spinne am Bettpfosten. Irgendwie eklig und irgendwie nicht, denn hier gehört das halt zum guten Ton. Und dann gibt es eine Menge zu tun! Die Guides nehmen euch mit in den bolivianischen Busch, zeigen euch wandernde Bäume und Lianen, Wildschweine und giftige Raupen. Ihr esst Termiten und trinkt aus der Baumrinde, sichtet Baumschlangen und nehmt ein erfrischendes Bad im Beni. Das Ganze macht natürlich besonders nachts super viel Spaß, wenn die Vogelspinnen auf den Blättern hocken und die lilafarben leuchtenden Augen des Alligators aus dem Wasser blitzen. Es gibt nichts Geileres als unter einem sagenhaften Sternenhimmel am Flussufer zu sitzen und dem nächtlichen Lärm des Dschungels zu lauschen! Brüllaffen, Frösche, grillende Zirpen und zirpende Grillen, heisere Ara-Papageien kreischen für die weltweit größte Artenvielfalt und zaubern euch eine Gänsehaut aufs Beinkleid. Für stilechte Mitbringsel aus Bolivien ist übrigens auch gesorgt: Die Guides helfen besonders den Mädels gerne beim Anfertigen eines Kokosnussringes oder sonstigen schönen Schmucks. Der Tropische unserer HotSpots Bolivien!

 

Habt ihr Blut geleckt und möchtet von Bolivien noch weiter reisen? Dann schaut euch unseren Artikel zu Peru an, der direkt an diese Reise anschließt und weitere schöne Ecken vorstellt. Oder schaut euch in unserer Packliste an, was in den Rucksack muss!