Kanutour Schweden: Erfolg auf ganzer Linie! Ein Topf voll Gold am Ende des Regenbogens! Zumindest für Mirko, der sein Equipment vor die Linse bringt. Und für uns, denn es gibt ein Brett. Vor oder über dem Kopf? Schauen wir mal. Auch so verwirrt wie wir? Dann lies Dir doch Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3, Kapitel 4 & Kapitel 5 der Schweden-Tour noch einmal durch. Und weiter geht’s dann im Kapitel 7, Kapitel 8 & Kapitel 9.

Kanutour Schweden: Ein Topf voll Gold

 

Klamme Atemluft perlt von der Zeltdecke und meinem Schlafsack, die Haare stehen wie ein Besen zu Berge. Meine Klamotten liegen als großer, braun melierter nasser Berg auf meinem Packsack und warten erfreut darauf von mir angezogen und in meinem Dunstkreis getrocknet zu werden. Schön ist das nicht, denke ich mir, bevor ich kurzentschlossen in aller Herrgottsfrühe ein kühles Regenbad im See nehme. Oben nass, unten nass, alles nass. Wie die Sägeböcke stehen wir bald mit hochgezogenen Schultern am knisternden Lagerfeuer und lassen die Welt um uns herum teilnahmslos tropfen. Die Aussicht, das total verdreckte triefende Equipment gleich in Säcken, Tonnen und Booten verstauen zu müssen, regt nicht unbedingt zum ausgelassenen morgendlichen Smalltalk an. Manfred betastet bekümmert seine Schachtel mit Anzündern, die beim Anfachen des widerspenstigen nassen Holzes fast alle über die Wupper gegangen sind und Mirko umklammert unbehaglich seine dampfende Kaffeetasse. Mit roter vollgesogener Regenjacke steht er da, einen Berliner Spruch auf den Lippen und wahrscheinlich der Frage im Kopf, wo zum Teufel das Stadtkind in ihm hier nur hineingeraten war. Aber hilft ja alles nichts, wir wollen ja heute auch noch weiterziehen und so beginnt das Tetris-Spielchen: Die Innenzelte werden ausgehängt und mit möglichst wenig Außenkontakt in die Säcke gestopft, die Außenzelte zu pitschnassen unförmigen Bündeln geschnürt. Töpfe, Pfannen und Essgeschirr starren uns mit ihren Fettaugen vorwurfsvoll an und erinnern an den „vergessenen“ Abwasch von gestern Abend. Wie unschön, soviel Schmierkram jetzt in die von innen eigentlich noch ganz sauberen Kisten zu packen. Wir laufen bald alle säbelbeinig mit merkwürdig von uns gespreizten Armen herum, bemüht unsere Dreckhände außer Reichweite zu bringen und die schmatzenden kalten Stiefel an den Füßen zu ignorieren. Doch bald sind wir barfuß und das Gepäck an Bord und dann ziehen wir los ins unseren Nussschalen einem besseren Wetter entgegen, das sich freundlich blinkend am Horizont ankündigt.

Kanutour Schweden: Land gewonnen

Ein Regenbogen spannt sich vor uns auf, an dessen Ende ein Topf voll Gold, eine hübsche kleine Insel mit Schutzhütte im zaghaften Sonnenschein. Ein deutsches Pärchen wuselt mit Essbesteck auf der Landzunge herum und scheint unseren Plan eines überdachten Abendessens bereits im Ansatz zu vereiteln. Doch David, der Fuchs, ist im Bilde und stellt eine einfache, zielführende Frage: „Wie war eure Nacht hier?“ „Gut, das Zelt steht noch“, antwortet der ahnungslose männliche Part des Pärchens und schießt sich damit mindestens Schlafplatztechnisch ins Aus. Auf den Inseln ist pro Gruppe nur eine Übernachtung erlaubt und wir entern postwendend unser neues Revier. Gnadenlos werden rote Packsäcke und blaue Futtertonnen um die noch Frühstückenden gestapelt, deren müde Augen ungläubig über das plötzlich hereingebrochene Inferno wandern. Als auch noch unsere Kajakener um die Ecke biegen, die noch eben eine Isomatte aus dem Hauptcamp geholt hatten, ziehen sie schließlich leise von dannen. Der Nachmittag gehört der trocknenden Wäsche, den Schwimmhäuten der Badenden und einem ausgedehnten Sportprogramm, das Caro und Manfred vor einigen Tagen ins Leben gerufen haben. Schwitzend und schwer atmend üben sie sich im Krafttraining und hechten sich gegenseitig auf die Pelle rückend über den nun sonnigen Fels. Was nach einem Kampf um die letzte Doppelkeksrolle aussieht, ist in Wahrheit Manfreds Selbstverteidigungskurs zu dem sich Sportskanone Caro nicht zweimal hat bitten lassen.

Kanutour Schweden: Werbeikonen im Busch

Die Sonne taucht die Insel in ein goldenes Licht und malt einen Regenbogen an den bleigrauen Himmel. Für Mirko gibt es jetzt kein Halten mehr und mit der Ausrüstung unter dem Arm und Fotobereiten an der Hand erklimmt er eifrig den auserkorenen Fotofelsen, um endlich das Equipmentshooting auf den Sensor zu brennen. „Hassu die Gasbuddel schon angeschlossen?“ „Lass mi mo rann doa, dat gibt dat doch net!“ Ich baue einen beachtlichen Haufen zerbrochener wasserfester Zündhölzer und mime mit Caro einen Outdoor-Kochabend für das Globetrotter-Magazin. Nach und nach wird das Equipment von den willigen Damen des Camps dekorativ in die Kamera gehalten während sich die Männer bereits um das Wesentliche kümmern. Klebriger Stockbrotteig pappt an Markus Händen und ein würziger Linseneintopf köchelt über dem knisternden Feuer vor sich hin. Melik und Nils machen sich verbal schonmal langsam warm und bald sitzen wir mit Nutella beschmiert und unseren knusprigen Stockbrotteig drehend gackernd am Lagerfeuer, lauschen dem anheimelnden Gesumm des Mückenviehs bis unsere Zelte im Schein der Stirnlampe wie bunte Lampignons im Wald aufleuchten. „Mein Ruhe will ich! Licht aus, oder ich beiß die Lampe ab hier.“