Kanutour Schweden: Hoch hinaus! Lagerkoller oder Fußgeruch? Oder warum wandern die Zelte immer weiter auseinander und die Jungs zum Burger-Giganten? Na, das kann ja heiter werden. Noch nicht ganz im Bilde? Dann lies Dir doch Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3, Kapitel 4, Kapitel 5 & Kapitel 6 der Schweden-Tour noch einmal durch. Weiter geht’s dann hier im Kapitel 8 & Kapitel 9.

Kanutour Schweden: Kanus am Foxen

„Denk immer daran, mim Öl nicht sparsam sein!“ David ist am Morgen immer noch in der Wernerischen Bestform und beugt sich über die schwarze Familienpfanne. Goldbraune Pfannkuchen verbreiten darin einen köstlichen Duft und gesellen sich zu ihren bereits auf einem Teller getürmten Artgenossen. Wenn es doch bald soweit wäre! Geduldig hocken wir wie die Hühner auf der Stange, wie die Vorschulkinder auf Klassenfahrt und warten auf die Eröffnung des Freiluft-Buffets. Und dann dürfen wir und belegen die Pfannkuchen mit allem, was unserer Fresslust in den letzten Tagen entgangen ist und kauen David einen vor, der etwas ungehalten mit den Pfannenwendern hantiert. Wir sind mit unserer einseitigen Ernährung zu weit gegangen, haben Käse, Aufstriche und Kekse längst vertilgt. Für Vegetarierin Caro und für den Snack zwischendurch sind schlechte Zeiten angebrochen. David hält uns ein angebrachtes Ständchen über Camp-Ordnung und die Notwendigkeit der Doppelkeksrolle für Notfälle und ich löse ihn beim Pfannenkuchenbraten ab. Sein ins Gesicht geschriebener morgendlicher Unterzucker ist bei der Besänftigung nur allzu hinderlich. Tatsächlich hängen die Essensreste von vorgestern noch am Geschirr, hier und da Unterwäsche in den wehrlosen Zweigen. Nach dem Frühstück beginnt die altbekannte Routine: Die Zelte werden abgebaut, Packsäcke und Tonnen bestückt und in den Booten verstaut. Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und haben das Camp wie die Nomaden in Windeseile wieder in ein mobiles Heim verwandelt. Teamwork muss sein bei der Kanutour Schweden.

Kanutour Schweden: Absichtlich abgelegen

Leicht und zufrieden gleiten wir heute Morgen in der Sonne dahin, jagen uns wie die Otter über das glitzernde Wasser unter einem von weißen Wattewolken dekorierten Himmel dahin. Mirko eröffnet das fotografische Dauerfeuer und wirft Manöverkommandos über die Schulter zum armen Nils, der das widerspenstige Kanu allein zu Mirkos beweglichen Fotomotiven lenken darf. Gelangweilt stützt er das Kinn auf seine rechte Hand und ersinnt vermutlich von Rachegelüsten getriebene Entsorgungsmöglichkeiten des schweineteuren Equipments zu seinen Füßen. So ein Boot ist ja auch nicht zwangsläufig ewig in der Waagerechten…Nach zwei Stunden erreichen wir die Insel Barön, die von zwei Sandstränden umrahmt gleich zwei Zeltlager auf ihren felsigen Klippen beherbergt. Wir entscheiden uns für das Camp mit Ausblick auf der rechten Klippe, das zwar etwas muffig im feuchten Wald gelegen, jedoch auch mit einer astreinen Aussichtsplattform über der Schwedischen Seenplatte ausgestattet ist. Geduldig schleppen wir unsere Päckchen erneut den Hang hinauf und eröffnen das Wettrennen auf die besten Zeltplätze. Ohne Wurzeln und Steine bitte schön, windgeschützt und mit Aussicht ist generell auch nie verkehrt. Ob ein beginnender Lagerkoller oder das unwegsame Gelände verantwortlich sind, ist unklar, doch am Ende der Prozedur schlafen wir alle soweit auseinander wie nie zuvor. Melik kniet mit seinem Palituch um den Hals und einer wedelnden Hand vor dem Gesicht in Klonähe auf dem Boden und versucht von Urinduft und Stechgetier unbehelligt sein Lager aufzubauen. Unsere drei Buschmänner sind im Gesträuch längst nicht mehr gesehen und Jana und Markus wollen heute Nacht ohnehin im Tausend-Sterne-Hotel am Klippenrand übernachten. Während Markus und Nils die Konsumsucht übermannt und sie sich bereits einer 25km-Strecke nach Töcksfors Burger King und Supermarkt entgegenarbeiten, sitze ich auf den Klippen und starre gedankenverloren auf das Wasser. Klar und blau glitzert es tief unten am Fuß des grauen Steins und bildet einen herrlichen Kontrast zum sattdunklen Grün der bewaldeten Inselketten am Horizont. Vor uns nichts als Weite und Endlosigkeit, der böige Wind streicht tanzende Haarsträhnen aus meinem Gesicht. Rauer Fels unter meinen nackten dreckigen Füßen, Gedanken über das Leben im Kopf. Wir haben keine zivilisatorischen Annehmlichkeiten, keinen Kontakt zur Außenwelt. Alles reduziert sich auf das Essentielle, auf die Grundbedürfnisse des gemeinen Individuums. Lachhaft und absurd unser stetiges Streben nach elektronischer Perfektion. Glücklich blicke ich in die Ferne und beglückwünsche mich zu meiner Entscheidung Smartphone & Co den Rücken zu kehren.

Kanutour Schweden: Fast-Food-Freuden im Wasserbad

Lisas unverkennbar lachendes Organ reißt mich aus meinen philosophischen Gedankengängen und ich schaue ihr dabei zu, wie sie mit Regenhut und Sommertop auf der Slackline turnt. Mirko drückt verzückt auf den Auslöser und alle gemeinsam gehen wir an den Strand, trocknen nach dem Bad in der Sonne und genießen die Live-Übertragung vom Selbstverteidigungskurs und Janas Eskimorolle. Vor dem Abendessen plaudert Mirko aus dem Nähkästchen der amüsanten fotografischen Existenz und betrachtet mit Lisa und mir die schwarze Gewitterwand, die sich langsam aber sicher auf uns zuarbeitet. Schön ist es hier und es fällt uns ehrlicherweise schwer, uns um die Jungs zu sorgen, die der Regenguss wahrscheinlich auf offener See voll erwischen würde. Die Quittung für Kekse, Bier und Burger King. Allerdings auch für ein nettes Sportprogramm, um das ich sie gerade etwas beneide. Nach dem versprochenen Platzregen, vor dem wir uns in die gemütliche Schutzhütte flüchten und emsig endlich mal den Bewertungsbögen auf den Pelz rücken, werden Pasta und Zwiebelsalat kredenzt, die uns vor Verzückung fast den malerischen Sonnenuntergang gekostet hätten. „Na, Herr Röhrich, noch ein Likörchen?“ Nils und Markus sind erstaunlich trocken zurück, Spirituosen und Doppelkekse im Gepäck. Der Abend gehört dem Facebook-OTT-Liveticker, verbalem Bullshit und der Gemütlichkeit. Von mir aus könnte es noch ewig so weitergehen. Oder vielleicht mit einer Verbesserung, denke ich, bevor ich mir das Tuch vor die Nase halte und die hölzerne Klotür hinter mir zuziehe.