Reisen ist großer Bestandteil unseres Lebens geworden. Ganz egal ob eine Tagestour von Charlottenburg nach Pankow oder eine Expedition nach Alaska, ständig legen wir Wegstrecke zurück. Wie man das am klimafreundlichsten tut, erfahrt Ihr hier!

Flugverkehr über Europa

Der Flugverkehr über Europa, am 23.02. um 13:21. (Quelle: flightradar24.com)

Ich bin kein Freund von dramaturgischen Cliffhangern, jedenfalls nicht bei Infoartikeln. Deshalb vorneweg: Wollt Ihr innerhalb Europas reisen, nehmt Bus oder Bahn! Diese Daumenregel hilft in den meisten Fällen, um mit einem guten Gewissen viele Kilometer zurückzulegen. Trotzdem gibt es einige wichtige Dinge, die Ihr dabei beachten solltet. Fangen wir mal beim Worst-Case an: dem Flugzeug.

Klimafreundlich reisen – das Flugzeug (aka „Cherosinschleuder“)

Eine Flugstrecke von Frankfurt am Main nach New York – both ways; wir sind noch nicht soweit – verursacht je nach Flugzeug und Auslastung etwa 3 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person (Fußnote: CO2-Äquivalente sind CO2 und andere Treibhausgase zusammengefasst, die jeweils unterschiedlich schädlich für das Klima sind und proportional zur Schädlichkeit des CO2 angeglichen werden). 3 Tonnen, das ist ´ne Menge Holz. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: eine Buche braucht etwa 100 Jahre, um diese drei Tonnen Treibhausgase in ihrer Holzmasse zu speichern und teilweise als Sauerstoff wieder an die Umwelt abzugeben. 100 Jahre für 20 Stunden Flugzeit. „Na, dann lasse ich Interkontinentalflüge halt weg!“, könnte der findige Reisende kontern. Falsch! Denn am meisten Cherosin wird bei den Starts und Landungen verbraucht und dementsprechend viel Abgase in die Luft geblasen. Gemessen an der CO2-Bilanz pro zurückgelegtem Kilometer sind Flüge innerhalb eines Kontinents also wirklich der Worst-Case.

Seine Flüge „kompensieren“ kann man bei atmosfair.de. Das ist besser als nichts, wenn sich der Flug nicht vermeiden lässt. Zu den Vor- und Nachteilen von CO2-Kompensationen veröffentlichen wir in Kürze einen Artikel hier.

Klimafreundlich reisen – der PKW (aka „Privatkraftwerk“)

Mal schnell mit dem Auto nach Hamburg einen Freund besuchen. Das Fernweh am Schopfe packen und raus ans Meer. So sehr ich Klischees hasse, so sehr stimmt: die Deutschen lieben ihr Auto und Spontanität, Flexibilität und Individualität sind Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist für die meisten ein Leben ohne eigenen Flitzer kaum denkbar. Und selbst in Großstädten sieht man im Stau vor allem Einzelpersonen im Auto sitzen. 70 Kilogramm, eingeschlossen in einer Burg aus 2 Tonnen Blech. Das ist als würde man einen Elefanten vor eine Schubkarre spannen. Doch widersprechend allen Effizienzgesetzen kutschieren wir unseren müden Körper oft einzeln durch die Landschaft und stoßen dabei etwa 140 Gramm CO2-Äquivalente pro Kilometer aus. Bei der durchschnittlichen deutschen Fahrleistung von 14.000 Kilometern sind das knapp 2 Tonnen im Jahr – oder das Lebensalter einer mittelgroßen Fichte. Rechnet man alle Herstellungskosten des Autos und des Benzins dazu, sind es sogar 3,5 Tonnen im Jahr und damit mehr als die Flugemissionen von Frankfurt nach New York. Es wird deutlich: alleine im Auto zu sitzen lässt den ökologischen Rucksack rasch explodieren. Und hinzu kommt: über 10 Prozent der deutschen Bodenfläche sind durch Autobahnen und Siedlungsinfrastruktur versiegelt – mit massiven negativen Folgen für Ökosysteme und den Treibhauseffekt.

Die Lösung: ein Auto immer voll auslasten. Egal ob Mitfahrgelegenheiten, die man gut über blablacar.de organisieren kann, Trampen oder Fahrgemeinschaften: allein im Auto ist uncool!

Klimafreundlich reisen – die Bahn (aka „sie kommt“)

So sehr man die Bahn auch hassen kann („Schienenersatzverkehr“, „Signalstörung“, „Wir bitten um Ihr Verständnis“), so sehr muss man auch ihre ökologischen Vorteile nennen. Besonders im Fernverkehr macht Bahnfahren Sinn. Mit etwa 50 Gramm CO2-Äquivalenten pro Personenkilometer kann auch eine Reise von Hamburg nach Rom guten Gewissens angetreten werden. Hinzu kommt die geringere Lärmbelastung (die Magistral-Güterzugroute durch das Rheintal mal ausgenommen) und die vergleichsweise geringe Bodenversiegelung des Streckennetzes. Im Nahverkehr ist die Treibhausgas-Bilanz etwas schlechter, da die Auslastung meist geringer ist.

Klimafreundlich reisen – der Bus (aka „Klimakönig“)

Mit der Öffnung des Personenverkehrs für andere Anbieter als die Deutsche Bahn hat sich unsere Fortbewegung massiv verändert. Fernbusse sind für viele vor allem wegen des Preises aus dem Pendlerleben nicht mehr wegzudenken. Doch spart man mit einer Fernbusreise nicht nur finanziell: mit 30 Gramm CO2-Äquivalenten pro Personenkilometer ist ein vollbesetzter Reisebus das blend-a-dent-Lachen einer jeden Klimaschützerin! Zwar bleibt die Flächenversiegelung die gleiche, jedoch spannt man den Elefanten jetzt vor eine tonnenschwere Last und wird damit viel effizienter. Nehmen wir wieder unsere 100 jährige Buche mit einer Speicherkapazität von etwa 3 Tonnen CO2-Äquivalenten als Referenz, könnten wir satte 100000 Kilometer mit dem Reisebus fahren, bevor wir ihre Kompensationskapazität erreicht haben. Das sind 2,5 Erdumrundungen! Damit ist der Fernbus die Klimakönigin unter den Fortbewegungsmitteln.

Also ran an die Fernbusanbieter wie flixbus.de oder eurolines.de. Selbst WLAN und Snacks sind in den meisten Bussen Standard! Doch auch hier gilt: eine Fahrt, die nur wegen des günstigen Preises unternommen wird und sonst ausgeblieben wäre, ist nicht sinnvoll und schadet der Umwelt nur zusätzlich.


Verkehrsmittel-Vergleich EmissionenFlugzeugPKWBahnFernbus
Emissionen pro Personenkilometer in CO2-Äquivalent240g150g50g30g
Anmerkung: Flugzeug bei 75% Auslastung, PKW bei 1,5 Personen Auslastung, Bahn Fernverkehr.
Quelle: Ökoinstitut und Umweltbundesamt


Klimafreundlich reisen – die Alternativen

Die Auswahl des Verkehrsmittels hat ganz offensichtlich einen entscheidenden Einfluss darauf, ob auch in 100 Jahren unsere Kindeskinder die gleiche wunderbare Erde vorfinden werden. Der Vergleich mit der 100 jährigen Buche ist anschaulich, verwischt aber die Realität. Schon jetzt leben wir über der Regenerationskapazität der Erde. Und anstatt Bäume zu pflanzen, die unseren Lebensstil ansatzweise kompensieren könnten, werden pro Tag Hektarweise Wälder gerodet. Gleichzeitig ist Reisen Symbol für Weltoffenheit, kulturellem Interesse und Fortschritt. Wie das kombinieren? „Travel where you live“ ist ein Ansatz, der Reisen und Klimafreundlichkeit verbinden soll. Warum nicht eine Tramp-Reise durch Deutschland? Über blablacar.de einen Mietwagen von Flinkster vollpacken und an die Ostsee fahren? Oder einfach das Zelt in den Rucksack und loslaufen und die direkte Umgebung erkunden. Auch eine Fahrradreise kann den Horizont erweitern! Egal für was Ihr Euch entscheidet, diese Daumenregeln helfen:

  • Fernbusse oder Bahnverkehr nutzen
  • Innereuropäische Flüge vermeiden
  • PKW voll auslasten
  • CO2-Kompensation dazu buchen (Hierzu wird es in Kürze einen gesonderten Artikel geben)

Transportmittel auf dem Titicaca