Durch eine Bierlaune zur Radreise Jakutien: Kilian Reil und sein Begleiter Roman Brünner brechen im August nach Russland auf. Mit Fahrrad und Booten – oder genauer gesagt sogenannten „Packrafts“ – reisen sie wochenlang durch wilde Gebirgszüge, tosende Schluchten und weite Ebenen. Hier erzählen sie, von Reiselust, Vorfreude, Ängsten, Erfahrungen – und: dem Alkohol.

Wir planen diese Reise nun schon seit etwa einem Jahr. Oft werden wir dabei gefragt, warum ausgerechnet Jakutien der neue Spielplatz werden soll. Wir würden auch oft als Alkoholiker da stehen, wenn wir sagten, dass unsere meisten Ideen aus der Bierlaune entstünden.

Nach viel Recherche im Internet, mit diversen Karten und Reiseblogs, zogen wir zunächst von Kamtschatka in Richtung Mongolei um anschließend Fuß in Sibirien zu fassen. Kamtschatka schien uns zu bärenlastig, die Mongolei durch zu viele Blogs geradezu überlaufen mit Touris. Aus eigener Einschätzung gab es zu viele Reiseberichte aus den Regionen oder es waren nur Gabelflüge möglich. Aus logistischen Gründen war uns aber ein normaler Flug lieber. Durch Zufall stießen wir auf eine Webseite mit alten russischen Militärkarten. Von 1950. Also nicht mehr ganz up-to-date. Natürlich hat sich seit damals Jahren viel verändert, aber Flussläufe und Gebirge lassen sich nicht so schnell versetzen.

Wir haben die Karten in mehreren Nachtschichten zusammengesetzt, ausgewertet, eingegrenzt und kamen letztlich in der Region Sacha zum stehen. Dort gibt es beachtliche Gebirge, grenzenlos viele Flüsse und Seen und dadurch auch sinnvolle Kombinationen für unser Radl und Bötchen Abenteuer.

Unsere Mütter sind schon eingeweiht, es kann also nichts mehr schief gehen. Hoffentlich.

Radreise Jakutien: Wer sind wir überhaupt?

Radreise Jakutien Bikerafting Russland Kilian ReilRoman, dass ist der ältere Herr zur rechten. Hier bei der Inspektion eines guten tajikischen Tropfens. Er hatte damals aufgrund seines Alters schon den Kosenamen „der Vaddi“. Diesen wird er nun weiter führen, habe ich soeben beschlossen.

Roman ist Marketing-Mensch bei einer Fürther Firma, wo er scheinbar viel Geld fürs Sprüche klopfen und nebenbei auch noch fünf (!!!) Wochen am Stück Auslauf bekommt. Roman kann übrigens 2 Kilogramm Süßigkeiten in einer halben Stunde vernichten.

Radreise Jakutien Bikerafting Russland Kilian ReilHier, ich, zwischen zwei tajikischen Melonenverkäufern, bin Kilian. Entspannte 10 Jahre jünger als Roman. Dementsprechend natürlich unerfahrener und grüner hinter den Ohren. Oder weniger grau.

Radreise Jakutien Bikerafting Russland Kilian ReilWie ihr schon ersichtlich sein sollte, ist ein gegenseitiges Sticheln vor, während und nach der Reise ein essentieller Teil des Zusammenlebens. Ich bin übrigens selbstständig als Fotograf und Filmemacher und verantwortlich für fast alle visuellen Ergüsse dieser Blogreihe.

Radreise Jakutien: Das Comeback der Tadchicks

Man schreibt das späte Jahr 2014. Der Anbeginn unserer schrägen Zusammenkunft und die ersten Symptome von Reisefieber. Zugegeben, Roman und ich kannten uns damals nicht. Ich arbeitete in einer Kletterhalle, er war dort Gast. Eines Abends kamen wir (mit bereits genannten Hopfen-Malz-Getränken) ins Gespräch. Nach einiger Zeit waren gewisse Sympathien geweckt und wir entschlossen zusammen eine Reise zu wagen. Mit dem Fahrrad. Ins ungewisse Tadschikistan.

Wer damals unseren Reisevortrag verpasst hat, kann sich gerne hier ein visuelles Schmankerl abholen:

Uns wurde damals der trendige Name „Die Tadchicks“ aus mehr oder weniger bekannten Gründen angeheftet. Da dieser Name in Russland nicht mehr ganz schicklich ist, sind wir weiterhin auf der Suche nach einem passenden. Vorschläge können hier gerne eingereicht werden. Unser Dank, sowie die eine oder andere Flasche sibirischen Wodka, äh Wasser gibt’s als Dank dazu.

Radreise Jakutien Bikerafting Russland Kilian ReilIch bin mir tatsächlich nicht mehr ganz sicher, ob ich mir nach Tadschikistan nicht geschworen hab: „Mit dem Kerl fahr ich nicht mehr in den Urlaub!“

Am Ende unserer damals 4-wöchigen Tour, Roman und ich waren zurück in Dushanbe, hatten wir uns etwas angezickt, sehr sogar. Warum? Wahrscheinlich lag es daran, dass wir vier Wochen Freiheit wieder abgegeben hatten, ebenso sieben Kilo Körpergewicht und daheim schrie die Arbeit. Pamirluft gegen fränkischen Feinstaub tauschen, grandiose Idee. Wahrscheinlich erwartet man am Ende eines derartigen Trips eine warme Willkommensparty. Stattdessen mussten wir uns bei der Abreise noch mit korrupten Beamten und gewaltigem Katerkopfweh herumschlagen. Anmerkung: Ich hab Roman für zehn Dollar freigekauft, nachdem der Kontrollheini unsere gute Laune für überschwänglichen Alkoholkonsum gehalten hatte. Damit hatte er natürlich recht – ich stellte an dem Moment fest, wie günstig man Leute in Uniform schmieren kann. Bei der Gelegenheit könnte ich eigentlich auch mal noch die peinlichen Handyfilme veröffentlichen. Aber da würde mir Roman aufs Dach steigen.

Tatsächlich war ich mir damals nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee wäre, wieder zusammen loszuziehen. Aber „Never say never“. Nun hat uns das Fieber wieder im Griff. Die letzten Vorbereitungen kanalisieren sich, bevor wir im August für fünf Wochen nach Russland flüchten. Mit Fahrrad, Boot und Zelt. Seltsame Mischung?

Radreise Jakutien: Was kommt nun?

In diesem Blog, so ist der Plan, werden wir ausführlich von unserer Vorbereitung, dem Equipment, unseren Sponsoren und unserer Reise berichten.

Da die sibirischen Bäume leider kein Wifi haben, wird hier im Zeitraum vom 28.07. bis 02.09. jedoch nicht sehr viel passieren. Zusätzlich zu diesem Blog könnt ihr mitfiebern auf Instagram (@kilioreilly). Herzlichen Dank hier schon mal vorab für die Unterstützung durch Anna und Fabi von storyfutter.de. Eine Englische Version des Blogs findet ihr unter www.tadchicks.com.

Radreise Jakutien Bikerafting Russland Kilian ReilDamals in der Planung der Tajikistan Tour hatten wir, bzw. auch oft unsere Mütter große Bedenken über die Sicherheit an der Grenze zu Afghanistan. Passiert ist nichts. Ob die selbe „Das Glück ist mit den Dummen“-Strategie jetzt auch wieder im Bezug auf Bären funktioniert sei mal dahingestellt. Zumindest gibt es keine Bären mit Kalaschnikows. Es bleibt spannend.

Soweit so gut.

Cheers

Kilian