Die zweite Hälfte der Radreise Osteuropa! Zwei Tage war ich in Budapest, der „Perle an der Donau“. Ich ließ mich einfach treiben, lief ohne Plan durch die Straßen vorbei an sehenswerten Gebäuden und schlief im Park unterhalb der Buda-Burg zwei Stunden, geschafft von den ersten 1000km auf dem Rad. Ausserdem war ich im Szechenyi-Bad, einem der berühmten Thermalbäder der Stadt, um meine müden Muskeln zu entspannen. Jeden Abend hat mich mein Gastgeber Sandor ins Nachtleben ausgeführt, welches auch an Werktagen auf öffentlichen Plätzen im Zentrum stattfindet. Bis jetzt gehörte Budapest damit zu einem meiner Highlights der Reise! Mein nächstes Ziel war Szakmar, ein kleines Dorf im südlichen Ungarn, wo ich das letzte Mal als Kind im Haus eines Freundes den Urlaub verbrachte. Die 130km bei knapp 40 Grad auf der Bundesstraße waren anstrengend, aber jede Mühe wert. Überschwänglich wurde ich von Istvan und seiner Frau empfangen und fand das Haus noch genauso vor, wie ich es in Erinnerung hatte. Istvan nahm mich auf seinem Motarrad mit auf den Markt nach Kalocsa, wir schauten in der Dorfkneipe mit viel Bier und Palinka (ungarischer Schnaps) das Viertelfinale gegen Italien und ich war im nahen Badeweiher schwimmen. Der Abschied fiel mir schwer und trotzdem hatte ich den Drang weiterzufahren, neue Eindrücke zu sammeln und mich in unbekannte Gefilde zu stürzen.


 

Radreise Osteuropa: Es geht nach Serbien

Nach neun Tagen in Ungarn fuhr ich über die Grenze nach Serbien, bereits das fünfte Land der Reise. Hier erwartete mich eine noch größere Gastfreundschaft, als ich sie schon in Ungarn erlebt hatte. Teilweise fuhr ich 60km, ohne auf dem Weg auch nur ein einziges Dorf zu passieren. Stattdessen: Wildschweine, aufgeschreckte Graureiher und ein paar freundlich winkende Bauern auf den Feldern. Wie auch schon im südlichen Ungarn gibt es viele verlassene und heruntergekommene Häuser, die Straßen sind übersäht von Schlaglöchern und vielerorts werden Pferde mit Anhängern als Transportmittel genutzt. Die Einheimischen verdienen durchschnittlich 200 Euro im Monat, haben dabei teilweise nur einen Tag pro Woche frei und schuften bis zu 80 Stunden. Trotzdem wurde ich immer wieder eingeladen, wurde sogar von einer Familie aufgefordert in deren Haus statt im Zelt zu schlafen und musste mich regelrecht los reißen, um weiterfahren zu können. Auf meinem Weg passierte ich Novi Sad, eine moderne Stadt mit Ambiente im Vergleich zum sonst sehr ländlich geprägten Rest Serbiens. Und dann kam nach 1600 geradelten Kilometern der erste richtige Anstieg: 4,5km lang ging es mit 8% bergauf. Zwar anstrengend, aber eine willkommene Abwechslung, die mit einer ebenso langen Abfahrt belohnt wurde. So rauschte ich in den kleinen Ort Beska, wo ich bei Mile und Boja, den Bekannten einer Freundin Unterschlupf fand. Nach einem Begrüßungs-Schnaps wurde ich wieder mal komplett umsorgt, wurde die Wäsche los, bekam Kulinarisches und Alkohol und eine Einführung in landestypische Gepflogenheiten. Ich freute mich auf die weitere Zeit in Serbien und war gespannt, was da in Bulgarien und Rumaenien auf mich warten würde.

 

Die Autorin: Ich bin Nina, 26 Jahre alt, gerade mit dem Geographiestudium fertig geworden und auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer. Das bedeutet für mich draußen in der Natur zu sein, keine Vorgaben einhalten zu müssen und jeden Tag aufs Neue etwas zu erleben.