Radreise_Osteuropa_Wildcampen

In den letzten Wochen habe ich immer wieder mein Zelt irgendwo im Nirgendwo aufgestellt. Wie habe ich diese Plätze ausgesucht? Was gilt es zu beachten? Und was habe ich in diesen Nächten so alles erlebt?
In vielen Ländern auf meiner Tour gibt es so gut wie keine Zeltplätze, weshalb wildcampen unvermeidlich ist. Grundsätzlich sollte man dabei folgende Regel beachten: Man wird entweder von niemandem gesehen oder von ganz vielen. Am besten und sichersten ist es auf jeden Fall, wenn man unentdeckt bleibt und keine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sonst kann einem eben auch mal ein Beutezug bulgarischer Jugendlicher in die Quere kommen. Da es manchmal bis zu einer Stunde dauern kann, bis man einen passenden Platz gefunden hat, sollte man schon rechtzeitig die Augen aufhalten, wenn sich der Tag auf dem Rad zum Ende neigt. Am besten eignen sich Bäume und Büsche, zwischen denen man das Zelt gut verstecken kann. In der Abenddämmerung sind oft noch viele Menschen auf den Feldern, da es tagsüber zu heiß zum Arbeiten ist. Deshalb versuche ich meistens abseits der landwirtschaftlich genutzten Flächen in hügeliges Gelände zu fahren und dort Ausschau zu halten. Habe ich mich dann für einen Platz entschieden, wird erst einmal gekocht und mit dem Aufbau des Zeltes bis zur Dunkelheit gewartet. Um dann nicht doch noch entdeckt zu werden, verzichte ich dabei auf das Licht der Stirnlampe. Auch morgens sind die Einheimischen schon früh unterwegs, weshalb auch mein Wecker um 6 Uhr klingelt und ich rasch das Lager räume. Das hat dazu den Vorteil, dass man in den kühleren Morgenstunden gut mit dem Rad vorankommt und über den Tag verteilt mehr Pausen einlegen kann. Wichtig ist auch, dass ich abends immer genügend Wasser habe, um zu kochen, Zähne zu putzen und einen Vorrat für die morgendliche Etappe zu haben. Generell habe ich auf der ganzen Reise nur Leitungs- und Brunnenwasser getrunken, welches ich in Restaurants, bei privaten Personen und am Straßenrand bekommen konnte. Für eine Katzenwäsche reicht es dann meistens aber doch nicht. So müssen die täglichen zwei Schichten Sonnencreme, die Schicht Autan und die ca. zehn Schichten Schweiß mit Staubpanade einfach ignoriert und am nächsten Tag erneut mit Sonnencreme bepinselt werden.

 

Radreise Osteuropa: Die liebe Freundin Sicherheit

In Serbien hatte ich eine Nacht an der Donau, bei der zuerst eine Schlange und dann eine Ratte an mir vorbeihuschten während ich auf den Sonnenuntergang wartete. Mitten in der Nacht wurde ich dann von Motorengeräuschen geweckt, als sich ein Auto meinem Zelt näherte. Bewegungslos verharrte ich im Zelt und wagte es kaum noch zu atmen. Ich vernahm die Geräusche von einem Mann, der nur ein paar Meter neben meinem Zelt ewig hantierte. Ich lag mit dem Pfefferspray in der Hand gefangen im Schlafsack und lauschte jedem noch so kleinen Geräusch und Knacken im Gebüsch. Der Mann näherte sich offenbar nicht meinem Zelt und so fiel ich trotz großer Anspannung wieder in den Schlaf. Am nächsten Morgen traute ich mich kaum, mein Zelt zu öffnen und mich dem zu stellen, was dort wartete oder eben nicht mehr wartete. Erleichtert stellte ich fest, dass es nur ein Angler war, der seinen Wohnwagen rangiert und die Angeln aufgestellt hatte. Trotzdem war ich, inzwischen wieder unversehrt auf der Straße angekommen, den Tränen nahe.
In Griechenland verbrachte ich eine Nacht mit den beiden britischen Schwestern unweit der Grenze zu Bulgarien gut versteckt im Gebüsch. In der Nähe hörten wir einen Hund bellen, der aber scheinbar den Kuhstall bewachte und deswegen nicht näher kam. Um Mitternacht wurde dafür in einem unscheinbaren Schuppen unweit unseres Zeltplatzes die Musik auf Festivallautstärke empor gejagt und sollte bis halb 7 morgens keine Ruhe mehr geben. So bauten wir um 6 Uhr morgens zur Musik aus unseren Zelten tanzend das Lager abbau. Es sollte uns ein anstrengender Tag bevorstehen.

Eine weitere Nacht in Griechenland bauten wir unsere Zelte gut getarnt in einem Olivenhain auf. Dreckig vom staubigen Untergrund und schweißgebadet vom Zeltaufbau lag ich auf meiner Isomatte und rutschte aufgrund des abschüssigen Geländes immer wieder von dieser herrunter. Unruhig schlief ich und träumte von wilden Hunden, die mich in dieser Nacht schreiend aufwachen ließen. Die vielen Angriffe hatten sich deutlich in mein Unterbewusstsein gebrannt und ließen mir nun auch nachts keine Ruh‘.
Ganz so romantisch wie man sich das Wildcampen vorstellt ist es also nicht immer. Wahrscheinlich muss ich aber einfach noch ein bisschen an meiner mentalen Stärke arbeiten, einen besseren Blick für geeignete Plätze bekommen und meine Angst hinterfragen und minimieren.

 

Die Autorin: Ich bin Nina, 26 Jahre alt, gerade mit dem Geographiestudium fertig geworden und auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer. Das bedeutet für mich draußen in der Natur zu sein, keine Vorgaben einhalten zu müssen und jeden Tag aufs Neue etwas zu erleben.