Alaska, Alaska – ein Roadtrip durch die ewige Weite! Der vielleicht schönste und bestimmt sogar wildeste Bundesstaat der USA! Wir waren da und haben den Aussteigertraum per Auto erkundet: Anchorage bis Fairbanks und zurück. Gletscher und Trogtäler, Relikte des Goldrausches und wirtschaftliche Ersatzleistungen, Schwarzbären und Weißkopfseeadler, alles dabei! Wir nehmen euch mit nach Alaska und wecken Fernwehträume zum Nachmachen!

Roadtrip Alaska Box 1: Von Anchorage in die Chugach-Mountains

Los geht es auch bei euch wahrscheinlich in Anchorage, der größten Stadt von Alaska und Sitz eines vielfach frequentierten internationalen Flughafens. Hier ist eigentlich alles erst mal amerikanisch, künstlich, (un)gut und nur die über den Himmel brummenden Buschflugzeuge und zahlreichen Geländewagen geben einen Hinweis auf die Andersartigkeit des Bundesstaates. Ihr könnt euch hier bequem im Spenard Hostel International einquartieren, mit Verpflegung eindecken oder eine gepflegte Chemiekeule bei Wendy’s zu euch nehmen, bevor wir euch den Ausstieg aus der Stadt empfehlen würden. Vorher lohnt vielleicht ein Besuch im REI-Outdoorshop, um nötiges Camping-Equipment,  wie Kocher-Gas oder Bärenspray aufzustocken. Das ist wichtig und sinnvoll und wir würden euch dringend die Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit in Alaska und der Wildnis empfehlen, damit ihr nicht des nachts im Zelt von einem Grizzly überrascht werdet.

Los geht es also mit einem geliehenen/gemieteten/gekauften Geländewagen in Richtung Südosten nach Girdwood, immer entlang am Turnagain Arm. Sind Wasserstand und Jahreszeit optimal, dann könnte sich der eine oder andere riesenhafte Rücken aus der Wasseroberfläche schieben. Der Beluga Point sagt es schon: Hier ziehen Wale an Alaska vorbei und  können mit etwas Glück gesichtet werden. Bei Girdwood lohnt sich ein Tagesausflug in die benachbarten Chugach-Mountains, die landschaftlich sehr abwechslungsreiche Wandertouren bieten. Aus den bewaldeten tieferen Lagen kommend passiert ihr bald die Baumgrenze und bewegt euch über felsigen, begrasten Untergrund durch tolle Trogtäler dem Crow-Pass entgegen. Hier wartet nicht nur die eine oder andere Schneeziege auf euch, sondern auch der Raven-Glacier, dessen Gletscherzunge aus nächster Nähe begutachtet werden kann. Ein schicker Start in Alaska!

 

Roadtrip Alaska Box 2: Valdez

Von Girdwood aus geht die Reise weiter Richtung Nordosten durch das fruchtbare Matanuska-Tal, an dessen Grund sich wunderbar ausgeprägte Braided-River-Systeme in die Sedimentebenen graben. Weit verzweigt mit unzähligen glitzernden Seitenarmen wirken die Flussläufe wie miteinander verflochten und erhalten so ihren Namen. Der Großteil der Landwirtschaft von Alaska wird hier betrieben, eignen sich sowohl Boden als auch Klima besonders gut für den Anbau von Agrargütern. Ihr fahrt bis Valdez und richtet euch dort für ein paar schöne Tagestouren auf einem benachbarten Camping-Platz ein. Spannend ist zum Beispiel ein Blick in das Geschäft mit dem Lachsfang in Alaska. Am Prince William Sound und damit mit Zugang zum Meer gelegen, spielt der Fischfang in Valdez eine große Rolle. Rot-, Silber- und Buckellachse ziehen hier zur Laichzeit zurück in ihre Fischzuchtbecken der Salmon Hatchery und werden dort wahlweise vermehrt oder zu allerhand Köstlichkeiten verarbeitet. Ein Stück Räucherlachs frisch von der Hatchery am Lagerfeuer verspeist bleibt geschmacklich definitiv in Erinnerung! Aber Achtung: Hier tummeln sich einige recht selbstbewusste Schwarzbären, die auf den Campingplätzen und auch im Rest von Alaska auf Nahrungssuche sind. Haltet das Bärenspray also immer in eurer Nähe und geht mit der Verwahrung von Lebensmitteln und Müll sorgsam um. Am besten immer sofort entsorgen oder luftdicht verschließen!

Habt ihr keine Lust auf Fisch, sondern eher auf eine arktische Brise, dann gönnt euch doch eine Fahrt mit einem kleinen schaukeligen Ausflugsdampfer in Richtung des Columbia Glaciers im Prince William Sound. Die gewaltige, aber leider bereits zurückgegangene Gletscherzunge schwimmt auf dem Wasser auf und wirft fleißig Eisbrocken in die See. Das Kalben des Gletschers ist eindrucksvoll und die in wunderschönen Farben und Formen vorbeitreibenden Eisberge sowieso! Ansonsten eignet sich die Fahrt absolut für Safari-Freunde: Seeadler, See-Otter, See-Löwen, Robben und sogar Wale können euch relativ häufig vor die Linse geraten. Wir hatten bescheidenes Wetter und trotzdem war die Tour ihre Fotos wert! Ein glaziologischer und biologischer HotSpot in Alaska!

 

Roadtrip Alaska Box 3: McCarthy und Kennicott

Über den Richardson Highway geht es weiter nach Norden und beim episch klingenden Pippin Lake rauf auf den Edgerton Highway nach Chitina. Das ehemals durch Kupferfunde wirtschaftlich florierende Örtchen ist nun eine Geisterstadt am Copper River, an dessen Grund sich noch so einiges an metallischen Altlasten türmt. Dazwischen drehen Fish-Wheels ihre Kreise, einem Mühlrad anmutende Fangkörbe für Fische, die die verbliebenen Einwohner Chitinas nach wie vor für den Lachsfang nutzen. Von Chitina aus führt die McCarthy-Road in etwa 2h in den Wrangell-St.-Elias-Nationalpark bis McCarthy, in dessen Umland sich einige schöne Camping-Plätze befinden. Die Straßen sind nicht asphaltiert und als Schotterpisten daher nur von robusten Autos befahrbar. In McCarthy lohnt sich der Besuch des Golden Saloons, um einen leckeren Bison-Burger zu einem kühlen Alaska Amber zu verspeisen. Absolut köstlich und zwischen tagtäglicher Camping-Nahrung eine echte kulinarische Abwechslung! Der Nationalpark eignet sich, ganz klar, für ausgedehnte Wanderungen in den gebirgigen Wrangell-Mountains oder den vermoorten Tiefebenen der dunklen Taiga von Alaska. Der Untergrund ist durch den Dauerfrost- oder Permafrostboden geprägt, der nur kurze Zeit im Jahr oberflächig taut. Dieser Prozess lässt die Oberfläche vernässen und bei dauerhafter Wasserstauung ausgedehnte Moorflächen entstehen. Die darauf wurzelnden Schwarzfichten verlieren im morastigen Untergrund den Halt und neigen sich kreuz und quer in alle Richtungen. Dieser „Drunken Forest“ sieht nicht nur faszinierend aus, sondern gibt auch einen Einblick in die Prozesse, die sich im Laufe der Jahreszeiten im Untergrund von Alaska abspielen.

Habt ihr keine Lust zu wandern, sondern wollt euch lieber historisch weiterbilden, ist die Kennicott Mine ein Muss! Direkt an der mit Schutt bedeckten und zerklüfteten Gletscherzunge des Root-Glaciers liegen die roten Fabrikhallen der Mine und beugen sich langsam dem Zahn der Zeit. Hoch über Kennicott liegt die Bonanza Mine auf 1.800 m ü NN in den Bergen, die zu Fuß erwandert, aber nicht betreten werden darf. Einsturzgefahr! Bis zur Stilllegung vor ca. 80 Jahren boomte hier noch der Kupfererzabbau während zerfledderte Bergstiefel vor dem dunklen Schlund der verlassenen Mine jetzt ein eher schauerliches Bild abgeben. Auch Alaska hat wirtschaftlich schon bessere Zeiten gesehen!

 

Roadtrip Alaska Box 4: Paxson Lake

Über den Richardson Highway geht es weiter nach Norden, wo sich bald die schneebedeckten Gipfel der Alaska Range in den Horizont schieben. Absolutes Postkartenmotiv mit den farbenfrohen Tundralandschaften in der weiten Talebene vor dem massigen Gebirgszug! Für die Übernachtung in der Gegend empfehlen wir dringend den Camping-Platz am Paxson Lake. Zwergsträucher schützen das Zelt vor Wind und ein Bad im glasklaren Wasser spült den Staub vom Leib. In einer sternenklaren, eisigen Septembernacht hörten wir hier die Wölfe in der Ferne heulen! Weiter Richtung Norden liegt der Summit Lake, in dessen Wasser sich die Alaska Range malerisch spiegelt. Bestes Fotomotiv bei sonnigem Wetter! Etwas weiter nördlich bietet sich eine Halbtagestour zum Gulkana Glacier an, der für Klimamessungen herhalten muss. Oder ihr schaut euch die Alaska Pipeline an, die sich wie ein riesiger Lindwurm über das Land schlängelt, mal abtaucht in den Untergrund und dann wieder über der Oberfläche verläuft. Der oberirdische Zick-Zack-Verlauf verhindert ein Auftauen des Permafrostbodens durch die Wärme des transportierten Öls und ermöglicht die flexible Bewegung der Pipeline bei tektonischer Aktivität. Selbst eine Bewegung des Untergrundes durch Plattenverschiebung kann die Pipeline so mitmachen ohne zu brechen.

 

Roadtrip Alaska Box 5: Fairbanks

Hier wird es zivilisatorisch: Im Vorort Northpole kann, welch Überraschung, Santa Claus höchstpersönlich zwischen allerhand Kitsch und Plüschausstattung die schwitzige Hand geschüttelt werden. Die Silver Gulch Brewing Company hilft mit Alkoholischem über diesen Schock hinweg und Fairbanks selbst sorgt dann für die Portion Bildungsurlaub in Alaska. Im Museum of the North wird recht nett die Kunst, Ökologie und Geschichte Alaskas präsentiert und im Map Store der Uni können schöne Landkarten und Luftbilder von Alaska gegen Übergabe kleiner Münzen erworben werden. Ansonsten könnt ihr euch beim Goldwaschen, bei einem Bad in den Chena Hot Springs oder Downtown beim Shoppen austoben.

Schöner ist aber natürlich die Tour nach Süden in den ca. 3h entfernten Denali-Nationalpark. Ca. 15 km könnt ihr über eine befestigte Straße in den bestimmt berühmtesten Nationalpark von Alaska hineinfahren, weiter aber nicht. Dann geht es nur noch mit Pendelbussen oder zu Fuß weiter, mit Zelt und Rucksack in die Wildnis, in der Alaskas Big Five (Grizzly, Elch, Karibu, Wolf und das Dall-Schaf) und der Mt. Denali auf euch warten. Die Arktischen Ziesel, kleine pelzige Nagetiere werden euch jedoch schon am Parkplatz um die Füße flitzen. Informiert euch in unserer Packliste und unserer Proviant-Empfehlung  über Nützliches und Notwendiges im unzivilisierten Busch von Alaska, wenn ihr von hier zu Fuß weitermachen wollt.

 

Roadtrip Alaska Box 6/Ziellinie: Talkeetna

Eine Katze als Bürgermeister, na herzlichen Glückwunsch! Tatsächlich ist Talkeetna zwar irgendwie bunt und schrullig, aber auch hübsch anzuschauen und bietet neben allerhand Kunst und Krempel nette Ecken zum Einkehren. Etwas vom Tourismus überlaufen ist der Ort allerdings, starten von hier doch die meisten Touren zum Mt. Denali und auch sonst allerhand Outdoor-Aktivitäten von Rafting bis zum Angelsport. Wer Infos zum Denali braucht oder selbst eine Bergbesteigung auf sich nehmen will, findet hier sicherlich alle notwendigen Infos rund um Alaska. Für alle anderen geht es von hier in ca. 2h zurück nach Anchorage und vermutlich auf dem Rücken des großen Vogels zurück nach Europa.

 

Habt ihr Lust bekommen und möchtet eine Weile bei uns mitfahren? Dann schaut doch mal in unseren Reisebericht aus Alaska! Soll es auf amerikanischem Boden weitergehen, dann wäre da auch Südamerika eine Idee!